Was bedeutet Hochsensibilität?

Hochsensible Menschen nehmen Sinneseindrücke von Natur aus viel intensiver wahr als andere. Dies liegt daran, dass sie ein sehr empfindsames Nervensystem haben. Eindrücke werden nicht nur stärker und detaillierter aufgenommen, sondern auch tiefer und gründlicher verarbeitet. Dadurch werden Feinheiten aus dem Umfeld aber auch im eigenen Erleben viel ausgeprägter wahrgenommen. Betroffene brauchen nicht selten viel Zeit, um Situationen zu verarbeiten. Dies kann unter anderem zu einem höheren Rückzugs- und Schlafbedürfnis führen.

 

Strömen zu viele Eindrücke auf einen hochsensiblen Menschen ein, kann es zu einer Reizüberflutung kommen. In diesem Fall fühlen sich Betroffene schnell erschöpft, geraten unter Stress und möchten sich von der Außenwelt abschirmen.

 

Der Begriff Hochsensibilität wurde von der amerikanischen Psychologin Elaine Aron während langjähriger Forschungsarbeiten geprägt. E. Aron versteht Hochsensibilität als Persönlichkeitsmerkmal und setzt sich stark für eine positive Bewertung des Themas ein.

 

Hochsensible Menschen haben eine Vielzahl an Fähigkeiten, die sehr wertvoll sind. Dazu gehören unter anderem ein gutes Einfühlungsvermögen, eine ausgeprägte Intuition, ein starkes Gerechtigkeitsempfinden, Verlässlichkeit, Kreativität und eine hoch entwickelte Detailwahrnehmung.

 

Mein Anliegen ist es, Sie im Umgang mit Ihrer Hochsensibilität zu unterstützen und Ihnen zu helfen, Ihre Sensitivität als persönliche Stärke zu verstehen und in Ihren Alltag zu integrieren.

Bin ich hochsensibel?

Um zu erfahren, ob Sie hochsensibel sind, bedarf es einer kurzen Zeit der Reflexion. Lesen Sie folgende Aussagen durch und überlegen Sie, welche Angaben auf Sie zutreffen:

 

  1. Stimmungen und Launen anderer Menschen beeinflussen mich sehr.
  2. Konflikte und Spannungen machen mir sehr zu schaffen.
  3. Ich bemerke Details, die meinen Mitmenschen gar nicht auffallen.
  4. Wenn zu viele Erwartungen auf mich einströmen oder in meinem Umfeld Hektik herrscht, werde ich schnell gereizt und fahrig.
  5. Ich habe häufig das Bedürfnis mich zurückzuziehen, um mich wieder neu zu sortieren.
  6. Ich brauche viel Zeit für mich, um ausgeglichen zu sein.
  7. In stressigen Situationen kann ich mich nur sehr schwer beruhigen.
  8. Aufregenden Situationen und Überforderung gehe ich aus dem Weg.
  9. Ich habe ein großes Schlafbedürfnis.
  10. Ich führe meine Aufgabe sehr sorgfältig aus.
  11. Filme mit Gewaltszenen schaue ich mir ungern an, weil sie mir zu nahe gehen.
  12. Laute Geräusche, grelles Licht, unangenehme Gerüche und kratzige Stoffe auf der Haut wirken sich stark auf mein Wohlbefinden aus.
  13. Dauergeräusche führen bei mir zu Stressreaktionen.
  14. Ich bin sehr schreckhaft.
  15. Ich meide Massenveranstaltungen.
  16. Meine Eltern und Lehrer hielten mich für schüchtern und ängstlich.
  17. Ich kann mich sehr in andere Menschen einfühlen.
  18. Ich werde von meinen Gefühlsreaktionen oft überwältigt.
  19. Ich reagiere sehr stark auf Koffein, Alkohol und Medikamente.
  20. Ich habe einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik.
  21. Kunst, Musik und Natur bewegen mich tief.
  22. Mir fällt es leicht zu abstrahieren und in größeren Zusammenhängen zu denken.
  23. Ich habe einen sehr hohen Anspruch an die Qualität meiner Arbeit.
  24. Ich nehme Dinge sehr genau und bin ausgesprochen gewissenhaft.
  25. Mir ist es wichtig keine Fehler zu machen und nichts zu vergessen.
  26. Mit Lebensveränderungen komme ich sehr schwer zurecht.
  27. Wenn ich bei meiner Arbeit beobachtet oder geprüft werde, gelingt mir diese viel schlechter als unter normalen Umständen.

 

(in Anlehnung an den Fragebogen von E.N. Aron, im Original zu finden unter www.hsperson.com)

 

Treffen mindestens 14 Angaben auf Sie zu? Hatten Sie AHA-Effekte während des Durchlesens und ein Gefühl der Erleichterung, weil Sie sich verstanden fühlen und sich Erlebnisse und Verhaltensweisen besser erklären können? Dann können Sie davon ausgehen, dass Sie eine hochsensible Person sind.


Die Auflistung der Aussagen kann selbstverständlich nicht mit einer psychologischen Testdiagnostik verglichen werden, sondern soll eine Orientierungshilfe geben. Ziel dieser Selbsteinschätzung ist ein tieferes Verständnis für die vielen kleinen Situationen des Alltags, in denen Hochsensibilität eine Rolle spielt. Verhaltensweisen und Gegebenheiten können neu beurteilt werden. Nun heißt es mutig Schritte nach vorne zu gehen und zu lernen mit der Hochsensibilität umzugehen.

 

Anmerkung: Einen detailierten Test mit Abstufungsmöglichkeiten in den Antworten finden Sie auf der Internetseite des österreichischen Verbandes für Hochsensibilität unter www.zartbesaitet.net